Wachturm

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Umstellt und überragt von Wohnungsbauten der 1990er Jahre liegt am Spandauer Schifffahrtskanal der Wachturm der ehemaligen Führungsstelle Kieler Eck. Als Zeuge für die innerstädtische Grenze erzählt er zugleich von ihrem Fall und verweist auf den hohen Verwertungsdruck sowie die Neunutzung der Mauergrundstücke.

 

Die nach der Wende in unmittelbarer Nachbarschaft entstandenen Neubauten verstellen den Blick zwischen dem Wachturm und den Resten des Grenzsystems, dessen Sicherung er diente, wie der südlich auf dem Invalidenfriedhof erhaltenen Hinterlandmauer. Von den ehemals 302 Wach- und Beobachtungstürmen entlang des 155 Kilometer langen Grenzstreifens um West-Berlin sind heute auf Berliner Gebiet nur noch drei erhalten: die in Funktion und Bauweise vergleichbaren Führungsstellen am Kieler Eck und am Schlesischen Busch in Treptow-Köpenick sowie der Wachturm an der Erna-Berger-Straße in der Nähe des Leipziger Platzes.

 

Führungsstellen dienten der Leitung und Kontrolle der umliegenden Wachtürme sowie der Überwachung größerer Geländeabschnitte. Hier ging der Alarm ein, den die seit 1967 aufgestellten Signalzäune bei Berührung auslösten, zudem waren hier die bei Grenzdurchbrüchen ausrückenden Alarmgruppen der NVA-Grenztruppen stationiert. Der heute wieder in einem guten baulichen Zustand erhaltene Wachturm der Führungsstelle Kieler Eck steht seit 1995 unter Denkmalschutz.

 

Die Wachtürme dieses Typs sind markanter Ausdruck des Ausbaus der innerdeutschen Grenze zu einem ständig "perfektionierten" und nahezu undurchdringlichen Todesstreifen.